Der lange Blick auf Arbeit und Gesundheit: die lidA-Studie geht in die fünfte Welle
Seit 2011 läuft die lidA-Studie, und mittlerweile wurden in vier Wellen jeweils bis zu 9000 Personen in ganz Deutschland befragt. Wir, das Studienteam um Prof. Hans Martin Hasselhorn, wollen verstehen, wie Arbeit und Gesundheit bei älteren Beschäftigten zusammenhängen. Warum arbeiten z. B. viele Menschen mit schlechter Gesundheit länger als andere? Welche Rolle spielen die Arbeitsbedingungen und das private Umfeld dafür, wann man in Rente geht?
Im Jahr 2027 werden die ältesten Studienteilnehmenden 68 Jahre alt und überschreiten damit die Regelaltersgrenze für die gesetzliche Rente. Etliche sind schon seit Jahren aus dem Arbeitsleben ausgeschieden, andere arbeiten noch. Mit einer fünften Welle untersuchen wir auch diese Phase, und zwar unter dem Titel „Den Menschen im Übergang verstehen“. Wir erwarten, dass ca. 6.500 Personen an der fünften Erhebungswelle teilnehmen werden.
Wird aus Plänen Realität?
Schon in den Vorjahren hatten Studienteilnehmende Rentenwünsche und -pläne geäußert. Nun wird sich zeigen: haben Menschen ihre Pläne verwirklicht – oder haben sie die Pläne angepasst? Führt z. B. eine flexiblere Arbeitszeit dazu, dass jemand länger arbeiten kann oder möchte, als er zuerst vorhatte?
Für die zwei älteren Jahrgänge (Kohorten) in der Studie sind in Welle 5 Analysen über 19 Jahre möglich, für den jüngsten Jahrgang über 8 Jahre. So können auch frühe Weichenstellungen entdeckt werden, die in Querschnittsbefragungen nicht deutlich würden.
Kontinuität und neue Einblicke: regelmäßige Nachbefragungen
Die bisherigen Erhebungen waren umfangreich, fanden aber nur alle drei bis vier Jahre statt. Nicht alle Entwicklungen lassen sich damit genau abbilden. Z. B. kann sich in vier Jahren die Gesundheit verschlechtert und bereits wieder verbessert haben, ohne dass man das in einer Befragung bemerken würde.
Darum sollen nach der sogenannten Haupterhebung ausgewählte Teilnehmende der Studie weiter befragt werden, und zwar vierteljährlich online. Diese Nachbefragungen sollen von 2027 bis 2030 laufen. So wird es möglich, Verläufe im späten Arbeitsleben kontinuierlich zu erfassen. Außerdem können Reaktionen auf aktuelle Entwicklungen, z. B in der Rentenpolitik, zeitnah erfragt werden.
Neben den üblichen geschlossenen Fragen (also solchen mit festgelegten Antwortmöglichkeiten) sollen auch offene Fragen gestellt werden, z. B. nach Gründen für ein bestimmtes Verhalten oder nach Einstellungen. Ein Beispiel dafür wäre die Frage, welche Rentenregelungen eigentlich als gerecht erlebt werden. Die Antworten sollen händisch und mithilfe Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden.
(Rückfragen an: arbwiss[at]uni-wuppertal.de)